Geige und Efeutute

Die Essenz meiner Arbeit - embodied music

June 06, 20265 min read

„embodied music bedeutet zu sehen, was zwischen dir selbst und deiner Musik steht." - Tina Laube

Wie alles begann...

Ich bin ganz ehrlich, in meiner Jugend und auch während des Studiums haben mich Selbstzweifel aufgefressen. Spiele ich gut genug? Wird es reichen? Was ist wenn jemand bemerkt, dass ich eigentlich gar nichts kann? Darf ich überhaupt hier sein?

Die selbsterfüllende Prophezeiung hatte mich fest in der Hand, ohne dass ich es bemerkt hätte. Denn allein sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht.

Wenn ich heute alten Freunden davon erzähle, dann treffe ich häufig auf überraschte Gesichter. “Aber du wirktest immer so selbstbewusst!”.

Genau, denn ich hatte sehr früh gelernt, dass Schwäche zu zeigen im Instrumental- und Gesangsunterricht nicht sicher ist. In meinem Umfeld wurde der offene Umgang mit Selbstzweifeln als Indiz dafür interpretiert wird, dass ich nicht geeignet bin, Musikerin zu sein. “Na wenn du schon selbst nicht an dich glaubst, dann solltest du das mit dem Musikstudium gleich sein lassen.”

Kommentar am Rande:
Wie soll eine Jugendliche lernen, gesund mit Selbstzweifeln umzugehen und an sich selbst zu glauben, wenn ihre erwachsenen Vorbilder sie dafür infrage stellen?

Also meine Überlebensstrategie in der klassischen Violin- und Gesangsausbildung meiner Jugendzeit war, nach außen selbstbewusst sein, nach innen lieber gar nicht schauen - Augen zu und durch.

Aber wenn du nicht zu deinen Selbstzweifeln schaust, dann kannst du sie auch nicht loslassen. Und die Selbstzweifel suchen sich ihren Raum im Körper, sie wollen gehört werden, sie wollen gesehen werden. Sie zeigen sich zum Beispiel durch Verspannungen und Schmerzen nach dem Spielen, Auftrittsängste, Vermeidungsstrategien
...nicht üben
…nicht auftreten
…oder doch und dann auf den letzten Drücker
…in der letzten Reihe verstecken.

Ich hatte Glück, dass ich im Studium sowohl an der Violine, als auch im Gesang und in der Musikphysiologie sehr sensible Professoren und Dozent:innen hatte. Sie haben mir geholfen, Schritt für Schritt zurück in mein Vertrauen zu finden - durch die Schulung meiner Körperwahrnehmung, durch das freie intuitive Bewegen zu Musik, durch freie Improvisation und tiefe Arbeit an meinem Mindset.

Die Summe dieser Erfahrung nenne ich embodied music.

Was bedeutet embodied music

Eine kurze Begriffserklärung

Auf Deutsch könnte man embodied music mit verkörperter Musikpraxis oder einverleibendes Musizieren übersetzen. Doch diese Übersetzungen hinken. Das englische Wort Embodiment wird oft mit Verkörperung übersetzt. Doch in dieser Übersetzung geht die Dimension des lebendigen Leibes verloren. Und einverleibendes Musizieren, naja da klebt mir die Zunge am Fenster.

Embodiment in der Musik betrachtet den lebendigen Körper, der Musik produziert, als auch den lebendigen Körper, der Musik hört.

Eine Art des Verbunden seins mit Musik, die sich darin Zeit mit dem ganzen Wesen zu spielen, zu singen und zu hören.

Ausgehend von einem ganzheitlichen Körperkonzept, welches auch die seelischen und kognitiven Prozesse eines Menschen miteinschließt, bezeichnet embodied music für mich, Musik mit und durch den Körper zu erleben, zu verstehen und auszudrücken.

Es ist der unendliche, tief verbundene Kreislauf zwischen Musik und Körper: Hören, Fühlen, Bewegen, Klingen.

embodied music ist die Essenz meiner Arbeit als Geigerin, Rhythmikerin und traumasensible Coach für Musiker:innen.

Was ist eigentlich Rhythmik?

Es war das Fach Rhythmik, welches die Beziehung und Wechselwirkung von Musik und Bewegung erforscht, und mich in meinen jugendlichen Selbstzweifeln und Suche nach einem geeigneten Studienplatz für mich, darauf gebracht hat zu spüren, dass da mehr in mir stecken muss.

Ich wusste sofort, dass ich dieses Fach studieren möchte, weil ich in der Rhythmik Musik endlich mit meinem ganzen Körper begreifen konnte, ich konnte frei zur Musik tanzen, ich konnte zeigen, was ich empfinde, wenn Musik in meine Ohren dringt, ohne mich beweisen zu müssen. Rhythmik hat befreit, was im Zuge meiner klassischen musikalischen Ausbildung über Jahre klein gemacht wurde, meine Musikalität und Liebe zur Musik.

Mein Weg von Dresden nach Basel nach Wien

Beflügelt von meiner Entdeckung hatte ich einen explosionsartigen Leistungsschub an der Violine, habe ein vollkommen neues Programm angefangen und mich innerhalb von 2 Monaten auf die Aufnahmeprüfung in Rhythmik vorbereitet und bin im selben Jahr von Dresden nach Basel gezogen um Rhythmik zu studieren. Ein Jahr später habe ich den Studienort noch mal nach Wien gewechselt.

Der Grund für meinen Wechsel war, dass ich unbedingt Rhythmik mit Instrumentalpädagogik kombinieren wollte und in Wien meinen Schwerpunkt auf Violine legen konnte und es in Wien die Möglichkeit gab, sich in Richtung Musikphysiologie zu vertiefen.

Mich hat der Wunsch angetrieben so unmittelbar und befreit, Violine spielen zu können, wie ich zu Musik frei tanzen konnte. Heute habe ich meinen Weg gefunden!

Heute spiele ich befreit auf der Bühne, ich habe keine Schmerzen mehr und ich bin da, mit jeder Faser meines Körpers.

Der Weg war sehr lang und hat meinen Entschluss, Musikerin zu sein, immer und immer wieder auf die Probe gestellt. Ich lebe wieder in Dresden, bin freischaffende Geigerin, Dozentin Rhythmik/EMP an der hfmdd und Coach für Musiker:innen.

Heute begleite ich Musiker:innen

Heute begleite ich Musiker:innen, die genau dort stehen, wo ich einmal stand.

Ohne extra Meile, ohne beschwerliche Reise, denn hätte ich rechtzeitig die richtige Unterstützung gehabt, hätte mein Weg nicht so steinig sein müssen.

In meinen 1:1 Begleitungen und Kursen konnte ich bereits über 100 Musiker:innen unterstützen, zurück zu Sicherheit und Vertrauen zu finden, auch wenn die Anspannung steigt, auch wenn der Selbstzweifel kickt.

Ich unterstütze Musiker:innen in ihre Kraft zu kommen und ihr Potenzial verwirklichen. Denn Musik hat so eine Kraft, sie kann die Menschen so tief berühren und bewegen und sollte professionellen Musiker:innen die Frage: "Aber bin ich gut genug?" nicht mehr im Weg stehen.

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Ich freue mich, dass du da bist!

Alles Liebe,
Tina 🎵 🌿


Quellen:

Schroedter Stephanie, "Körper und Klänge in Bewegung – Körperliche Dimensionen von Musik zwischen Embodiment und Enaction, in: Hopp Christinee & Avischag Müller Sarah (Hgg.), Music in the Body – The Body in Music. Körper an der Schnittstelle von musikalischer Praxis und Diskurs, 2021, S. 29 - 56.

Du darfst diesen Artikel gerne teilen und zitieren. Bitte gib dabei die Originalquelle an: https://blog.tinalaube.de/post/was-ist-die-essenz-meiner-arbeit
© Copyright 2026 Tina Laube

Mein Name ist Tina Laube. Ich bin freischaffende Geigerin, Dozentin für Rhythmik/EMP an der Hochschule für Musik Dresden und zertifizierte traumasensible Begleiterin - TSB®.
In meinen 1:1 Begleitungen und Kursen unterstütze ich Musiker:innen mit Selbstzweifeln dabei, zurück in ihr Vertrauen zu finden, damit sie ihren Beruf erfüllt ausüben können.

Tina Laube

Mein Name ist Tina Laube. Ich bin freischaffende Geigerin, Dozentin für Rhythmik/EMP an der Hochschule für Musik Dresden und zertifizierte traumasensible Begleiterin - TSB®. In meinen 1:1 Begleitungen und Kursen unterstütze ich Musiker:innen mit Selbstzweifeln dabei, zurück in ihr Vertrauen zu finden, damit sie ihren Beruf erfüllt ausüben können.

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